MUMUTH Konzert 21.12.2020

PPCM Extended

MUMUTH Konzert „PPCM Extended“ am 21.12.2020

Dieses Konzert des Klangforum Wien und seiner Studierenden steht im Zeichen der Vokalmusik.

Das weltweit einzigartige Studium „Performance Practice in Contemporary Music“ (PPCM) erhält ab diesem Wintersemester mit „PPCM Vocal“ ein von der Kunst Universität Graz entwickeltes Schwesterstudium, geleitet von Professor Holger Falk.

Über das Studium: PPCM (Performance Practice in Contemporary Music)

Ein Master Studium, das vom renommiertem Klangforum Wien durch eine eigene KUG Professur betreut wird.

Unter der Betreuung von Mitgliedern des Spezialisten-Ensembles Klangforum Wien lernen Studierende sowohl die neue Sololiteratur, Kammermusik und einschlägige Ensemblewerke kennen, als auch ein fundiertes Wissen über Ästhetik, Geschichte und Repertoirekunde heutiger Musik.

Das Studium wird durch spannende Sonderprojekte ergänzt. Von der Oper bis zur Performance in Zusammenarbeit mit renommierten Komponist:innen sowie dem IEM Graz.

Die überaus lebendige Festival- und Musikszene in Graz sowie an der KUG bieten dabei ein inspirierendes Umfeld für die Umsetzung innovativer Kooperationen und experimenteller Projekte.

PPCM Extended
Live-Stream am 21.12.2020 um 19.30 Uhr

PPCM extended from Vimeo KUG on Vimeo.

Programm:

Klangforum Wien / PPCM Klasse
(Performance Practice in Contemporary Music)

Salvatore Sciarrino
— aus „Quaderno di strada“

Aus dem Lieder Zyklus für Bariton und Ensemble Nr: 5, 12, 13

Bernhard Lang
Songbook II.2 Retextured, UA
— Nr. II „I am a knot“
Text Christian Loidl
— Nr. III „As the Saying goes“
Text Sperl

Olga Neuwirth
„Last Highway“ Suite
Aus der Oper „Last Highway“

 

Mitwirkende:

Holger Falk, Bariton
Peter Plessas, Live Elektronik bei „Lost Highway“ im Auftrag von IEM Graz

Yalda Zamani, Dirigentin

Ulla Pilz, Moderation


Solisten
bei „Lost Highway“

Bernhard Zachhuber, Klarinette (Klangforum Wien)
Katherine Oseid, Saxophon (PPCM)
Mikael Rudolfsson, Posaune (Klangforum Wien)
Yuki Murakami, Klavier (PPCM)
Filip Novakovic, Akkordeon (PPCM)
Daniel Dundus, E-Gitarre (KUG Student)

PPCM Klasse (Master Klasse für Neue Musik von Klangforum Wien)

Lea Moullet, Violine
Alona Pynzenyk, Violine
Silvija Ciuladyte, Viola
Anna Grenzner Metheu, Cello
Leo Morello, Cello
Aleksandra Skrillec, Flöte
Shino Saito, Flöte
Jennifer Seubel, Flöte
Felix Martl, Klarinette
Katherine Oseid, Saxopohon
Petra Horvat, Saxophon
Andraz Frece, Akkordeon
Filip Novakovic, Akkordeon
Yuki Murakami, Klavier
Ana Ostojic, Klavier
Mihael Toma, Tuba (Substitut)
Daniel Dundus, E-Gitarre (Substitut)
Dakota Wayne, E-Bass (Substitut


Klangforum Wien

Dimitrios Polidoidis, Viola
Andreas Lindenbaum, Cello
Paul Salomon, Kontrabass
Markus Deuter, Oboe
Bernhard Zachhuber, Klarinette
Johannes Feuchter, Klarinette
Lorelei Dowling, Fagott & Kontraforte
Anders Niqvist, Trompete
David Schmidt, Trompete
Christoph Walder, Horn
Mikael Rudolfsson, Posaune
Daniel Holzleitner, Posaune
Björn Wilker, Schlagwerk
Lukas Schiske, Schlagwerk

Technisches Personal

MUMUTH

Ulrich Gladisch, Tontechnik
Wird bekanntgegeben, Kamera
Alexander Zwierzina, Live-Stream
Wird bekanntgegeben, Licht
Ursula Fleischhacker, Stage
Alexander Wiedenhofer, Stage

Klangforum Wien
Jürgen Semlitsch, Ablauf & Koordination
Matthias Meinharter, Orchesterwart
Alexander Steininger, Orchesterwart

Salvatore Sciarrino – Quaderno di Strada

Diese Musik zu spielen bedeutet vor allen Dingen, die Macht der Suggestion wiederzuentdecken. Natürlich zählen auch ihre formale Perfektion, die Suche nach der Klangfarbe, die Originalität. Dennoch geht das, was ich hier meine, weit über die normale Ausdruckskraft der Noten hinaus. Wir werden von der Musik bis an die Schwelle der Stille geführt, wo unser Ohr sich schärft und der Geist sich jeglichem Klangereignis öffnet, als würde er es zum ersten Mal hören. Die Wahrnehmung wird so erneuert und das Zuhören zu einem emotionalen Ereignis.

Sollten wir eine solche Erfahrung als direkte (oder tiefe) Kommunikation bezeichnen?

Ohne auf Orpheus und die mythischen Ursprünge der Musik zurückzugreifen, muß man hier wohl Disziplinen heranziehen, die der Musikwissenschaft derzeit fern liegen: die Psychoakustik, die Musiktherapie oder Studien über die Sprache der Tiere.

Der Zweck eines Notizheftes ist auch seine Bestimmung: sich mit Wörtern und Zeichen füllen. Oder: Wenn man die Welt entdeckt hat, beschlossen hat, einen kleinen Teil davon für sich zu behalten, wird das Heft geschlossen und beiseite gelegt.

Aus den Trümmern verlorengegangener Gesamtheit bilden sich weitere Zusammenhänge, andere Wege. Daraus schöpfe ich die Mittel, um meine Musik zu schaffen und diese Titel, die so viele Leute verblüffen. Ich besitze zahlreiche Magazine mit Texten, Magazine mit Titeln. Was ich sammle, hat nicht nur literarische Ursprünge, aber es kommt auch aus der Mündlichkeit, ebenso wie aus Inschriften oder Graffitis an Wänden.

Das Heft begleitet mich jeden Tag und ergänzt sich in der Metapher der Reise. Wir könnten einem Fehler erliegen, würden wir glauben, daß diese Metapher uns überall hin folgt; nein, wir sind, vielleicht, ihr Schatten.

quaderno di strada ist Otto Katzameier und dem Klangforum Wien gewidmet.

Salvatore Sciarrino

(Übersetzung aus dem Italienischen: Mirella Stefani)

Aus: Konzerthausprogramm Zyklus Klangforum Wien, 3. Konzert. 8.12.2003.

Olga Neuwirths Bühnenwerk Lost Highway

(Libretto von Elfriede Jelinek und der Komponistin nach einem Drehbuch von David Lynch und Barry Gifford) wurde anläßlich des steirischen herbstes am 31. Oktober 2003 in Graz uraufgeführt. Wie in anderen Werken Neuwirths steht hier die Auseinandersetzung mit der fragwürdigen Realität der Wahrnehmung im Mittelpunkt: Der Ansatz, Bilder und Klänge durch einen Diskurs der Wahrnehmung zu dekonstruieren, um die Logik ihres Funktionierens zugleich mit ihrer Manipulierbarkeit aufzuzeigen, macht wesentliche Aspekte des Originaldrehbuchs – so die Ersetzung der zielgerichteten Erzählweise durch einen logisch nicht erschließbaren, von Zeitschleifen durchsetzten Handlungsverlauf – für die Bühne nutzbar und denkt deren Implikationen auf musikalischer Ebene weiter. Für ihre Suite hat die Komponistin einige markante Stellen aus dem Bühnenwerk herausgelöst und sie durch neu komponierte Übergangspassagen verbunden. Zwar orientiert sich die Abfolge der einzelnen Ausschnitte am Verlauf der Bühnenaktion und ist gar mit der Anfangs- und Schluss-Szene des Musiktheaters verklammert; doch spielt darüber hinaus die Handlung keine Rolle mehr. An ihre Stelle tritt das vielschichtige Spiel mit den Perspektiven differenziert ausgearbeiteter Klänge: Die live gespielte Musik wird mit gesampelten und live-elektronisch verarbeiteten Sounds zu einer ständig changierenden Klanglandschaft verwoben, deren enorme Plastizität als Abfolge suggestiver Klangbilder wahrnehmbar wird.

(Stefan Drees)