Enno Poppe

Enno Poppe

geboren am 30.12.1969 in Hemer/Sauerland
studierte Dirigieren und Komposition an der HdK Berlin, u.a. bei Friedrich Goldmann und Gösta Neuwirth
1996 Studienaufenthalt an der Cité Internationale des Arts, Paris
2002/03 Stipendiat der Akademie Schloß Solitude
2006 Stipendiat der Villa Serpentara in Olevano Romano
Boris-Blacher-Preis 1998, Kompositionspreis der Stadt Stuttgart 2000, Busoni-Preis 2002, Förderpreis der Ernst-von-Siemens-Stiftung 2004, Schneider-Schott-Preis 2005
Konzerttätigkeit als Pianist und als Dirigent
 
Seit 1998 Dirigent des ensemble mosaik
2002-04 Lehrbeauftragter für Komposition an der HfM "Hanns Eisler" Berlin
Lehrtätigkeit bei den Darmstädter Ferienkursen 2004 und der Impuls Akademie, Graz 2007
Kompositionsaufträge u.a. vom Ensemble Modern, Klangforum Wien, WDR (Wittener Tage), SWR (Donaueschingen), BR (musica viva).

 
IQ UA
Was messen wir, wenn wir die Intelligenz messen? Was ist überhaupt Intelligenz? Die Geschichte des Intelligenztests beginnt Ende des 19.Jahrhunderts in einem Umfeld, zu dem auch Eugenik und die sogenannte Rassenhygiene gehören. Neben der Vermessung der Schädel und Gehirne war die Vermessung der geistigen Fähigkeiten für die Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. Das Ziel war die Klassifikation aller Menschen. Der ursprüngliche Zweck, die Intelligenz anzuheben und die Menschheit zu verbessern, wurde aber sofort durch die gegenläufige Tendenz, durch die Testverfahren Menschen abzuqualifizieren, in sein Gegenteil verkehrt. Das Verfahren, einer Person eine Zahl anzuheften, die IQ genannt wird, ist bis heute üblich und beliebt. Was durch diese Zahl ausgedrückt wird, ist am ehesten die Möglichkeit, Menschen in eine Rangliste zu ordnen wie in einer Sporttabelle. Rückschlüsse auf die Intelligenz bietet der IQ nicht. Dafür lässt sich durch die unterschiedlichen Testverfahren umso mehr über die jeweiligen Erfinder der Tests erfahren. Die Frage, was für die Intelligenz für relevant erklärt wird und deshalb entsprechend gewertet werden soll, ist entscheidend über das Testergebnis. Unterschiedliche Tests kommen bei denselben Personen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Wer erfindet also die Normen? Und welche Auswirkungen hat das? So werden IQ-Tests bei Hinrichtungen verwendet: nur wer einen IQ über 70 erzielt, kann hingerichtet werden.

Was hat all das auf einer Opernbühne zu suchen? Die Grundidee ist sehr einfach.
In acht Akten wird, immer wieder von vorn beginnend, die Situation eines Intelligenztestes dargestellt. Die Dramaturgie ist variationenartig. Die verschiedenen Testverfahren, aber auch Musik, Licht, Kostüme, Requisiten etc. können wie Variationen auseinander abgeleitet werden. Dadurch entsteht für das ganze Stück auf allen Ebenen eine musikalisch durchgearbeitete Großform. Durch die Fülle an existierenden Tests ist eine Fülle an kleinen Szenen möglich. Da viele der Verfahren auf der Einübung und Abfragung völlig sinnentleerter Techniken – im Jargon „culture free“ – beruhen, kann hier vieles gezeigt werden, vom Grotesken bis zur Verzweiflung, tumultartige Massenszenen und Tragisches. (Enno Poppe)