
Pierre Boulez
Pierre Boulez wurde 1925 in Montbrison (Frankreich) geboren. Er studierte Mathematik, dann Musik, unter anderem bei Olivier Messiaen und René Leibowitz. 1954 gründete er mit Unterstützung von Jean-Louis Barrault die Konzertreihe "domaine musical*, deren Organisator er bis 1967 blieb.
Als Komponist, Dirigent und Lehrer hat Pierre Boulez in entscheidender Weise zur Weiterentwicklung des kompositorischen Denkens des 20. Jahrhunderts beigetragen und Generationen von Nachwuchskünstlern mit seiner wegweisenden Arbeit geprägt. Wesentliche Impulse gingen von Boulez auf die serielle Kompositionsweise ("Structures“ für 2 Klaviere), die Aleatorik ("Éclat / Multiples“), die räumliche Klangdisposition ("Rituel“) sowie die live-elektronische Verarbeitung und Wiedereinspeisung von Klängen mit Hilfe des Computers ("Répons“) aus.
1958 begann seine Dirigenten-Karriere als ständiger Gast des Südwestfunk-Orchesters. Von 1960 bis 1962 lehrte er an der Musikakademie der Stadt Basel Komposition. Er war Principal Guest Conductor des Cleveland Orchestra (1967-72) sowie Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra (1971-75) und der New Yorker Philharmoniker (1971-77).
Ab 1977 widmete Pierre Boulez sich ausschließlich seiner Arbeit in dem von der französischen Regierung bereitgestellten "Institut de Recherche et de Coordination Acoustique/Musique" (IRCAM). Als Dozent der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik war Pierre Boulez ebenso tätig wie als Lehrer in Basel, an der Harvard University im US-amerikanischen Cambridge und in Paris. 1992 trat er von der Leitung des IRCAM zurück, blieb aber weiterhin Präsident des von ihm gegründeten Ensemble InterContemporain, das einen hervorragenden Ruf als eines der besten Orchester für zeitgenössische Musik genießt. 1995 wurde Pierre Boulez zum Principal Guest Conductor des Chicago Symphony Orchestra ernannt.
Seit vielen Jahren ist Pierre Boulez immer wieder zu Gast bei den Salzburger Festspielen als Komponist mit eigenen Werken ebenso wie als Dirigent und Interpret vor allem der Musik des 20. Jahrhunderts. Die Musikwelt verdankt ihm die Bewahrung der wichtigsten Musikwerke der Moderne des letzten Jahrhunderts auf Tonträgern, welche unter Pierre Boulez' Dirigat mit den besten Orchestern der Welt aufgenommen wurden. Seine umfangreiche Diskografie umfasst eine Vielzahl preisgekrönter Aufnahmen wie seine Bartók-Reihe mit dem Chicago Symphony Orchestra. Zu seinen wichtigsten Einspielungen zählen auch die Symphonien von Mahler, die er mit den Wiener Philharmonikern, dem Cleveland Orchestra und dem Chicago Symphony Orchestra aufgenommen hat.
Für seinen Einsatz für die Musik des 20. Jahrhunderts wurde Pierre Boulez 1995 mit dem "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" ausgezeichnet und von der englischen Musikzeitschrift Gramophone zum "Künstler des Jahres" ernannt. Seine fachliche Kompetenz wurde durch die Berufung zum Präsidenten des Musikrates der UNESCO gewürdigt. 1996 wurde ihm der Berliner Kunstpreis verliehen, und die Königlich Schwedische Musikakademie zeichnete ihn mit dem Polar Music Prize als große kulturelle Persönlichkeit aus.
