
Morton Feldman
Morton Feldman wurde am 12. Januar 1926 in New York geboren. Im Alter von zwölf Jahren studierte er mit der Busoni-Schülerin Madame Maurino-Press Klavier; ihr verdankt Feldman seine lebhafte Musikalität. Bevor er 1941 bei Wallingford Riegger Komposition zu studieren begann, schrieb er kurze, von Scriabin beeinflusste Klavierstücke. 1944 wurde Stefan Wolpe sein Lehrer; sie verbrachten jedoch sehr viel mehr Zeit mit Diskussionen über Musik.
1949 fand die ausschlaggebende Begegnung statt: Feldman traf John Cage, und damit begann eine für die Entwicklung der amerikanischen Musik in den 50er Jahren entscheidende Zusammenarbeit. Cage war es, der Feldman Vertrauen zu seinen eigenen Ideen gab; daraus erwuchsen völlig intuitive Kompositionen. Er arbeitete nie mit irgendwelchen identifizierbaren Systemen, sondern schritt von Augenblick zu Augenblick, von einem Klang zum nächsten.
Während der 50er Jahre in New York gehörten zu seinen Freunden die Komponisten Earle Brown und Christian Wolff, die Maler Mark Rothko, Philip Guston, Franz Kline, Jackson Pollock, Robert Rouschenberg und der Pianist David Tudor. Insbesondere die Maler beeinflussten Feldman bei seiner Suche noch einer eigenen, unmittelbaren und greifbaren Klangwelt. Daraus ergaben sich Experimente mit grafischer Notation: Projection 2 gehört zu den frühesten derartigen Partituren. In diesen Werken wählen die Spieler ihre Noten aus vorgegebenen Registern und Zeitstrukturen. Feldman war jedoch mit den Freiheiten, die diese so stark von der lmprovisation abhängigen Kompositionen den Interpreten zugestanden, nicht zufrieden und gab zwischen 1953 und 1958 die grafische Notation wieder auf. Doch die genaue Notation, die er in dieser Zeit on deren Stelle setzte, fand er wiederum zu eindimensional, und so kehrte er für zwei Orchesterwerke – Atlantis (1958) und Out of Last Pieces (1969) - zur Grafik zurück. Gleich nach diesen erschien eine Reihe von Instrumentalwerken mit dem Titel Durations in denen die Tonhöhen genau festgelegt sind, die Interpreten ober gleichzeitig die Freiheit hoben ihre jeweils eigene Dauer – innerhalb eines vorgegebenen Grundzeit-mabes – wählen zu können.
1967 begann die Zusammenarbeit zwischen Feldman und der Universal Edition mit der Veröffentlichung seiner letzen grafisch notierten Partitur In Search of an Orchestration. Es folgte das Werk On Time and the Instrumental Factor (1969), in dem er erneut zur genauen Notation zurückkehrte. Mit Ausnahme von zwei Werken in den frühen 70er Jahren behielt er von nun an die Kontrolle über Tonhöhe, Rhythmus, Dynamik und Dauer bei. 1973 erreichte Feldman eine Anfrage der University of New York in Buffalo, die Edgar Varese-Professur zu übernehmen; er hatte sie für den Rest seines Lebens. Seit den späten 70er Jahren nahmen seine Kompositionen an Länge in einem solchen Grade zu, dass das zweite Streichquartett bis zu fünfeinhalb Stunden dauern kann. Es war besonders der Umfang dieser Werke, der zu Kontroversen Anlass gab, doch Feldman war jederzeit glücklich, wenn er versuchen konnte, seine dahinter stehenden Gedanken zu erläutern. Im Alter von einundsechzig Jahren starb Morton Feldman am 3. September 1987 in seinem Heim in Buffalo.
