Modest Mussorgsky (Ilja Repin; Ausschnitt)

Modest Mussorgsky

Modest Petrowitsch Mussorgsky (1839-1881), russischer Komponist, erhielt ab 1849 Klavierunterricht in Sankt Petersburg und trat 1852 in die dortige Kadettenschule und das Gardekorps ein; 1856-58 war er Gardeoffizier und widmete sich dann, gefördert von Milij Balakirew, in Petersburg weitgehend autodidaktisch der Musik. 1857 lernte er Aleksandr Dargomyschskij und Zesar Kjui kennen. Nach dem Verlust seines Vermögens nahm er 1863 eine untergeordnete Beamtenstellung an und trat auch als Konzertpianist auf. An Alkoholismus leidend, starb Mussorgskij arm und vereinsamt.
Ungleich seinen sehr akademisch eingestellten Zeitgenossen Anton Rubinstein und Peter Tschaikowsky durchbrach Mussorgsky die scheinbar fest gefügten Konventionen, um auf dem Weg über die Musik reale humane und soziale Zusammenhänge der Wirklichkeit zu deuten. Nach dem Manifest des Mächtigen Häufleins suchte er die russische Musik aus dem Volkslied zu erneuern, griff dabei aber weit über die folkloristischen Tendenzen der nationalrussischen Schule hinaus. So verbinden sich in seinem Hauptwerk »Boris Godunow« Elementar-Rituelles (etwa im Bittchor des Volkes) und schonungsloser Realismus mit einer zuweilen an Shakespeare erinnernden Hintergründigkeit (Schlusslied des Irrsinnigen), die aus einer konsequenten musikalisch-realistischen Umsetzung und Ausdeutung der Sprache und der dramatisch-psychologischen Situation heraus erwächst. Seine Werke sind vielfach Fragment geblieben und wurden von seinen Freunden, v. a. von Nikolaj Rimskij-Korsakow, ergänzt.