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19.08.2012

19. August 2012, 19.30 Uhr

Wien

Zacherlfabrik

einen Moment bitte

Klaus Lang – hungrige sterne. *
Georges Aperghis – Simulacre IV
Bernhard Gander – khul
Johannes Maria Staud – Celluloid
Katharina Klement – einen Moment bitte UA *

Lorelei Dowling, Fagott
Olivier Vivarès, Bassklarinette


* Mit freundlicher Unterstützung von: 

          


Eintritt frei!


Zur Zacherlfabrik

In dem ab 1888 nach einem Entwurf von Hugo Wiedenfeld von Karl Mayreder errichteten Gebäude der Zacherlfabrik befand sich ursprünglich eine Insektenpulverfabrik. Das bemerkenswerte, an eine Moschee erinnernde Äußere der Fabrik erklärt sich durch die Herkunft jener Pflanze, aus deren getrockneten Blüten das Insektenpulver "Zacherlin" hergestellt wurde. Johann Zacherl (1814-1888), der Urgroßvater des jetzigen Eigentümers der Fabrik, hatte um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf seinen Reisen im Kaukasus entdeckt, dass die Blätter des Pyrethrums dort als sehr wirksamer Schutz gegen Ungeziefer verwendet wurden.
 
 
Ursprünglich für wirtschaftliche Zwecke errichtet steht die Halle der Fabrik seit langem leer. Das Zweckfreie dieses Raumes, seine besondere Qualität als Bauwerk und die Lage des Fabriksgebäudes inmitten eines großen Gartens, einer grünen Insel der Stille in dicht verbautem Gebiet, schaffen ideale Bedingungen für einen Ort der Begegnung, der Ruhe, des Gesprächs. Durch die für diesen Ort geschaffenen Kunstwerke wird gerade diese Qualität gefördert. 

 
Die Nutzung gegenwärtig leer stehender Gebäudeteile der Zacherlfabrik für die Präsentation von Kunstwerken, für Gespräche und Symposien ist getragen von enger Zusammenarbeit der Beteiligten, des Eigentümers der Fabrik, der Künstlerinnen und Künstler, von verantwortlichen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Sie ist nicht von kommerziellen Interessen geleitet. 
Das Unternehmen ist von Anfang an offen für einen interreligiösen und interkulturellen Dialog. Es nimmt besonders Rücksicht auf die soziale Situation von Personen, die „am Rand der Gesellschaft" stehen. Asylsuchende sind in das Unternehmen integriert.

Zacherlfabrik
Nußwaldgasse 14
1190 Wien
 
Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln: 
ab Schottentor Straßenbahnlinie 37 bis Barawitzkagasse oder 38 bis Silbergasse
U4 bis Heiligenstadt, von dort Bus 39A oder 10A bis Saarplatz
 

Wien

Katharina Klement – einen Moment bitte

Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es darum, einen „Moment“ akustisch aufzurollen, in ein zeitliches Hintereinander zu bringen. Es geht um das Entfalten/Dehnen eines Moments, dessen geballte gleichzeitige Ereignisse und Zustände nicht auf einmal fassbar/wahrnehmbar sind. Ein von Informationen durchkreuzter Moment wird ausgerollt, ein virtuelles „diapositive sonore“ wird aufgeschlüsselt, sein Dickicht beleuchtet. Ähnlich dem Blick in eine Landschaft, in der sich beispielsweise gleichzeitig ein sonnen-beschienener Waldhang zeigt, eine Vogelschar vorüberfliegt, jemand gerade ein Fenster öffnet, zwei Autos sich kreuzen, ein Insektenschwarm in der Luft steht, gerade ein Apfel vom Baum fällt, etc. In sich überlappenden Zellen/Kleinformationen innerhalb der acht Instrumente lösen sich klangliche Zustände und Prozesse ab, werden die gleichzeitigen Aspekte einer Momentaufnahme in einen zeitlichen Ablauf gebracht.
 
Für den zweiten Teil, eine 8-kanalige Klanginstallation, dient die Aufnahme des Instrumentalstücks als „Ausgangsmaterial“. Die zeitliche Entwicklung des Stücks wird durch die elektronische Klangtransformation wieder aufgehoben, das gesamte hintereinander eingespielte Klangmaterial wird wieder in einen Moment aufgeklappt. In die acht eingefrorenen Klangspektren wird nochmals mit Filtern eingegriffen, die zeitlichen Dauern der einzelnen Instrumente werden nun als spektrale Bänder gelesen.
 
Aus der Unmöglichkeit heraus, gleichzeitig spektrale und zeitliche Information eines Klangereignisses zu kennen, öffnet sich für diese Arbeit Entwicklungs- und Transformationsraum für beide Teile. Sie verweisen rückbezüglich aufeinander, gehen dem Phänomen des klanglichen Moments im wahrsten Sinn des Wortes nach; „Movimentum“ dessen ursächliche Bedeutung aus der Bewegung stammt.


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