
Ermöglicht eine insulare Lage am äußersten Rand des Kontinents die Bewahrung eines verortbaren und zuordenbaren musikalischen Idioms?
1. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Wien, Konzerthaus, Mozart-Saal
europa, GLOBAL
Hèctor Parra – Moins qu'un souffle, à peine un
mouvement de l'air UA *
Alberto Posadas – La Lumiére du noir
Elena Mendoza – Fragmentos de teatro imaginario
(versión corta) EA
Francisco Guerrero Marín – Anemos C
Dirigent: Enno Poppe
* Mit freundlicher Unterstützung von:


Héctor Parra – Moins qu’un souffle, à peine un mouvement de l’air – Hommage an Khady Demba
Nach dem Lesen der letzten Seite des Romans Drei starke Frauen von Marie NDiaye ist nichts mehr, wie es einmal gewesen ist. Buchstäblich ins Leere, in den Abgrund der größten menschlichen Ängste getrieben, sucht Khady Demba, die Protagonistin, eine persönliche Würde, die ihr systematisch verwehrt wurde. Die junge, kinderlose Witwe von 25 Jahren – eine wahrhafte Katastrophe für eine senegalesische Frau in ihrer Situation – , wird im ersten Moment von der Familie ihres Mannes aufgenommen, aber kurz danach unter dem Vorwand verstoßen, dass sie mehr verbraucht, als sie einbringt. So verwandelt sich Khady Demba, ohne es zu wollen und fast ohne sich dessen bewusst zu sein, in eine heimliche Emigrantin mit tragischem Schicksal.
Nach dem Lesen der letzten Seite des Romans Drei starke Frauen von Marie NDiaye ist nichts mehr, wie es einmal gewesen ist. Buchstäblich ins Leere, in den Abgrund der größten menschlichen Ängste getrieben, sucht Khady Demba, die Protagonistin, eine persönliche Würde, die ihr systematisch verwehrt wurde. Die junge, kinderlose Witwe von 25 Jahren – eine wahrhafte Katastrophe für eine senegalesische Frau in ihrer Situation – , wird im ersten Moment von der Familie ihres Mannes aufgenommen, aber kurz danach unter dem Vorwand verstoßen, dass sie mehr verbraucht, als sie einbringt. So verwandelt sich Khady Demba, ohne es zu wollen und fast ohne sich dessen bewusst zu sein, in eine heimliche Emigrantin mit tragischem Schicksal.
In Moins qu’un souffle, à peine un mouvement de l’air, einer Partitur, die direkt durch Marie NDiayes Roman angeregt wurde, nimmt Khady in der Soloflöte der musikalischen Geschichte, die ich euch vorschlage, Gestalt an. Als lebendiger Widerhall der „flûte peule“ von Westafrika (gebaut aus dem aus der Erde geborenen Schilf, gewachsen durch die Hilfe des Wassers, geformt durch Feuer und gespielt mit der Luft) schenkt uns das Hauptinstrument, die Flöte, schließlich den letzten Tropfen seiner musikalischen Energie in Form von Verzerrungen und Verwandlungen tönender Materie, die stärker und stärker anwachsen. Khady wagt es auf den Zaun zu klettern, der sie von der „Freiheit“ trennt und der sie paradoxerweise ins Nichts führen wird. [...] (Héctor Parra)
